Die Kreisumlage ist der größte einzelne Posten im Gemeindehaushalt. Zum Vergleich: Der gesamte Fehlbetrag des Haushalts 2026 liegt nach dem 1. Nachtrag bei rund 2,5 Millionen Euro. Grund genug, sich anzusehen, wie diese Umlage funktioniert.
Was ist die Kreisumlage?
Landkreise haben kaum eigene Steuerquellen, aber große Aufgaben: weiterführende Schulen, Jugendhilfe, Sozialleistungen, ÖPNV, Kreisstraßen, Rettungsdienst. Soweit ihre sonstigen Einnahmen nicht reichen, dürfen sie die Lücke bei ihren Gemeinden einsammeln — das regelt § 15 des Niedersächsischen Gesetzes über den Finanzausgleich. Der Kreistag beschließt dafür jährlich einen Hebesatz.
Die Kreisumlage ist kein Entgelt für konkrete Leistungen an Adendorf. Sie ist ein pauschaler Finanzierungsbeitrag aller kreisangehörigen Gemeinden — unabhängig davon, wie viel davon vor Ort ankommt.
Wie wird gerechnet?
Der Hebesatz wird nicht auf die tatsächlichen Einnahmen angewendet, sondern auf die Umlagegrundlagen. Sie bestehen aus zwei Teilen.
Grundsteuer A und B sowie Gewerbesteuer werden mit landesweit normierten Hebesätzen umgerechnet, dazu kommen die Gemeindeanteile an Einkommen- und Umsatzsteuer.
Folge: Adendorf kann sich der Umlage nicht entziehen, indem es die eigenen Hebesätze senkt — gerechnet wird mit der Steuerkraft, nicht mit dem Steuerertrag.
Was die Gemeinde aus dem kommunalen Finanzausgleich des Landes erhält, fließt fast vollständig in die Bemessung ein.
Die Schlüsselzuweisungen an Adendorf sind durch den Zensus 2022 gesunken.
- Umlagegrundlagen 2026
Steuerkraft + 90 % Schlüsselzuweisungen - rd. 14.400.000 €
- Hebesatz des Landkreises
- 54,5 %
- Kreisumlage 2026
- 7.850.000 €
Zur Einordnung: Die gesamte Gewerbesteuer mit 2,8 Millionen Euro und die gesamte Grundsteuer B mit rund 2,2 Millionen Euro decken zusammen nicht einmal zwei Drittel dieser Summe. Erst mit dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer kommt Adendorf überhaupt auf Steuereinnahmen von 12,9 Millionen Euro — von denen die Kreisumlage dann 61 Prozent wieder abschöpft.
Rechne selbst: Was ein anderer Hebesatz ausmachen würde
Beweg den Regler und sieh, was die Kreisumlage bei einem anderen Hebesatz kosten würde — auf Grundlage der echten Adendorfer Umlagegrundlagen 2026. Die Knöpfe darunter springen zu den tatsächlichen Hebesätzen der Vorjahre.
54,5 %
- Kreisumlage pro Jahr
- 7.850.000 €
- Unterschied zum Hebesatz 54,5 %
- ±0 €
- Je Einwohnerin und Einwohner
- 727 €
Rechengrundlage: Haushaltsplan 2026 der Gemeinde Adendorf — Ansatz 7.850.000 € bei 54,5 %, daraus abgeleitete Umlagegrundlagen von rd. 14,4 Mio. €; 10.802 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 30.06.2025). Beträge auf volle Tausend gerundet. Die Kämmerei beziffert die Wirkung eines Hebesatz-Punktes auf rd. 152.000 €, da die endgültigen Umlagegrundlagen bei Planaufstellung noch nicht feststanden. Aktuell entspricht die Umlage 61 % der Steuereinnahmen.
Der Hebesatz im Zeitverlauf
Der Hebesatz ist keine Naturkonstante, sondern eine politische Entscheidung des Kreistags — und er hat sich zuletzt deutlich bewegt.
2020 wurde in zwei Stufen über 47,5 auf 44,0 Prozent gesenkt. Von dort ging es in vier Schritten auf 54,5 Prozent — mehr als zehn Punkte Aufschlag. Balkenlänge zwischen 40 und 60 Prozent skaliert.
Ein Prozentpunkt sind 152.000 Euro
Läge der Hebesatz nur einen Punkt niedriger — 53,5 statt 54,5 Prozent —, würde die Gemeinde rund 152.000 Euro im Jahr sparen. So die Adendorfer Kämmerei.
- Das ist ungefähr so viel, wie die neue Containeranlage der Grundschule Weinbergsweg in vier Jahren Miete kostet.
- Bei einem Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro löst ein Punkt das Haushaltsproblem nicht — aber er zeigt, dass die Entscheidung des Kreistags direkt in Adendorfer Spielräume übersetzt.
Warum uns das beschäftigt
Mehr als jeder vierte Euro, den Adendorf 2026 ausgibt, geht als Umlage an den Landkreis. Über diese Summe entscheidet nicht der Gemeinderat, sondern der Kreistag — und dort wird der Hebesatz oft als technische Größe behandelt, obwohl er über Spielräume für Schulen, Kitas, Bäder und Straßen vor Ort mitentscheidet.
Wer den Gemeinden Jahr für Jahr mehr abverlangt, muss zugleich erklären, welche Kreisaufgaben dafür besser erledigt werden.
Deshalb schauen wir bei den Haushaltsberatungen genau hin — im Gemeinderat und mit Blick auf den Kreis.
Über den Hebesatz entscheidet der Kreistag
Am 13. September werden Gemeinderat und Kreistag getrennt gewählt — auf zwei Stimmzetteln, mit je drei Stimmen.
- Haushaltsplan 2026 und 1. Nachtragshaushalt 2026 der Gemeinde Adendorf — Kreisumlage-Ansatz, Hebesatz-Historie, Einwohnerzahl, Fehlbetrag
- § 15 Niedersächsisches Gesetz über den Finanzausgleich (NFAG) — Rechtsgrundlage der Kreisumlage, nachlesbar im Vorschrifteninformationssystem des Landes (voris)
Stand: August 2026. Grundlage sind der beschlossene Haushalt 2026 (Ratsbeschluss 11.12.2025) und der 1. Nachtragshaushalt (Ratsbeschluss 25.06.2026).
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